
Lebendige Landwirtschaft
Warum solidarische Landwirtschaft boomt
Wer samstags im Schweinfurter Umland unterwegs ist, begegnet womöglich Menschen, die statt Einkaufswagen lieber Spinatbüschel ernten. Willkommen bei der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) – einem Modell, das dem klassischen Einkauf im Supermarkt den Rücken kehrt.
Die Idee ist simpel, aber wirkungsvoll: Statt anonym Gemüse zu kaufen, bauen die Mitglieder der SoLaWi Schweinfurt ihr eigenes an – bio, saisonal, regional. Alles, was an Arbeit, Risiko und Ernte anfällt, wird geteilt. Gegründet wurde der Verein mit 15 Leuten, heute sind es 180. Und auf rund einem Hektar wachsen ganze 60 Gemüsesorten – darunter sogar Exoten wie Hirschhornwegerich.1
Wer mitmacht, zahlt monatlich einen Beitrag und bekommt dafür regelmäßig eine Erntekiste – kein Preisschild an der Tomate, kein Barcode auf der Karotte. Gezahlt wird, was man kann. Wer mehr geben kann, gleicht andere aus. Und das klappt erstaunlich gut, berichten die Mitglieder.2
Mithelfen darf, wer will. Manche setzen Jungpflanzen, andere jäten oder packen die Kisten. Doch auch wer keine Zeit hat, kann Ernteanteile bekommen. Hauptsache, alle ziehen an einem Strang. Doch es geht nicht nur ums Essen. Es geht um Gemeinschaft, Verantwortung und ein anderes Verhältnis zu Lebensmitteln. Cornelia, eine der Mitglieder, sagt: “Im Büro arbeite ich mit dem Kopf. Hier arbeite ich mit den Händen – und mit dem Herzen.” 3
Die SoLaWi ist kein Rückschritt in vormoderne Zeiten, sondern ein echter Fortschritt – für Umwelt, Gesundheit und Miteinander. Vielleicht steckt im Spinat vom Acker tatsächlich ein bisschen mehr Zukunft als in der Plastikgurke aus dem Regal.
Quellenangaben:
1 Br.de: Gemüse selbst anbauen: Solidarische Landwirtschaft boomt: https://www.br.de/nachrichten/bayern/gemuese-selbst-anbauen-solidarische-landwirtschaft-boomt,UiFtpPR
(abgerufen am 20.05.2025)
2 Ebd.
3 Ebd.
