
Lohnenswerte Landläden
Wie Dorfläden Versorgungslücken schließen
In vielen Dörfern ist der nächste Supermarkt längst nicht mehr fußläufig erreichbar. Gerade ältere Menschen oder Familien leiden darunter, wenn der kleine Laden im Ort verschwindet. Ein neues Konzept bringt nun Leben zurück in ländliche Gemeinden: digitale Dorfläden, die rund um die Uhr geöffnet sind.
Ein Beispiel ist der Tante Enso-Laden in Glasau (Kreis Segeberg). Dort können die Bewohner:innen seit 2023 jederzeit einkaufen – ergänzt durch ein Café, in dem sich Menschen zum Plausch oder Bingo treffen. Filialleiterin Kristin Schröder beschreibt den Laden inzwischen als „Dorfmittelpunkt“.1
Hinter Tante Enso steckt ein Genossenschaftsmodell: Erst wenn mehrere hundert Menschen Anteile zeichnen, wird eine Filiale eröffnet. Das Angebot ist umfangreich – mit 3.000 bis 4.000 Produkten auf rund 200 Quadratmetern. Seit 2018 sind über 70 Läden entstanden, zehn davon in Schleswig-Holstein.2
Auch andere Start-ups wie die Hurtig Märkte setzen auf das Prinzip. Dort läuft der Zugang per App und QR-Code, bezahlt wird an der Selfcheckout-Kasse. Selbst die 90-jährige Kundin in Glasau nutzt das System mittlerweile problemlos.3
Für die Gemeinden bedeuten die neuen Dorfläden mehr als nur Nahversorgung. Sie schaffen Treffpunkte, fördern Gemeinschaft und machen das Leben auf dem Land attraktiver – auch für junge Familien. Kritisch diskutiert wird noch, ob die langen Öffnungszeiten den Sonn- und Feiertagsschutz verwässern könnten. In Schleswig-Holstein liegt dazu ein Gesetzesentwurf vor, über den der Landtag bald entscheiden wird.4
Quellenangaben:
1 NDR.de: "Tante-Emma-Laden" reloaded: Die neuen 24/7 Supermärkte auf dem Land: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/nahversorgung-auf-dem-land-die-neuen-24-7-dorflaeden,nahversorgung-100.html
(abgerufen am 12.09.2025)
2 Ebd.
3 Ebd.
